Deldorado 01 2021
1. Oktober 2014

Über die Zukunft der Gemeinschaft Hasport

Seit rund 15 Jahren gibt es die Gemeinschaft Hasport um Irene Papziner. Der Verein, der durch die Hausaufgabenhilfe, eine Kleiderkammer sowie eine Fahrradwerkstatt Sozialarbeit im Stadtteil leistet, stößt finanziell an seine Grenzen. Eine Lösung könnte der Sprung unter das Dach eines Wohlfahrtsverbands sein.
 
Irene Papziner, Gründerin und Vorsitzende des Vereins Gemeinschaft Hasport e.V., kann unermüdlich sein, wenn es um das Einwerben von Spenden geht. So hat es die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes mehrfach geschafft, die Aktion ein Herz für Kinder für ihr Projekt zu gewinnen. Derzeit arbeiten fünf Ein-Euro-Kräfte in der Gemeinschaft. In ihrer kleinen Containerlandschaft in der Helgolandstraße bekommen die Kinder des Stadtteils Nachhilfe in verschiedenen Fächern und auch eine warme Mahlzeit, da etliche Kinder sie zuhause nicht erhalten. Zwar wird die Gemeinschaft von der Stadt jährlich mit 2.000 Euro bezuschusst und die Gemeinschaft arbeitet auch eng mit der Stadt zusammen, doch davon und den Mitgliedsbeiträgen allein lässt sich der Verein kaum tragen. Irene Papziner setzte daher ihre Hoffnungen in den Besuch von Landessozialministerin Cornelia Rundt, die am 18. September das Team besuchte. Doch bald wurde klar. Eine schnelle Lösung scheint es für die Gemeinschaft nicht zu geben.
 

Dachverband als Option

Die Ministerin, die sich beeindruckt von der Arbeit der Gemeinschaft zeigte, erkundigte sich, ob die Gemeinschaft Mitglied eines Dachverbands sei. Denn dann könnte sie von den Ausschüttungen der Lotto- und Toto-Richtlinien profitieren: „Es ist ein Verein auf der Kippe zwischen Ehrenamt und Professionalisierung“, sagte sie zu den bestehenden Strukturen. Der Verein müsse sich nun fragen, wie er sich künftig aufstellen will, um möglichst gut von Fördermöglichkeiten profitieren zu können. Die Befürchtungen, dass ein Dachverband das zu Geld nach eigenem Gutdünken an die verschiedenen Institutionen verteile und zudem auch teuer sei, zerstreute die Ministerin. „Ich kenne einen Dachverband, da geht das Ganze für 85 Euro im Jahr. Den Namen darf ich nicht nennen, da habe ich selbst mal gearbeitet“ sagt sie.
 

Stadt stärker ins Boot holen

Auch der noch amtierende Oberbürgermeister Patrick de La Lanne sprach sich während des Gesprächs dafür aus, dass sich die Gemeinschaft professioneller aufstellen sollte. „Man muss sich fragen: Wie soll es weitergehen. Man muss neue Strukturen schaffen.“ Fördertechnisch sei es für das Land dann leichter, die Gemeinschaft zu unterstützen. Allerdings sieht er auch die Stadt in der Pflicht, die Gemeinschaft künftig stärker zu unterstützen. Bislang erhält die Gemeinschaft 2.000 Euro jährlich von der Stadtverwaltung. Ein weiteres Problem für Irene Papziner ist, dass sie keine Stellvertreterin hat. „Ich gehe auf die 70 zu. Immer kann ich auch nicht mehr.“ Manche Dinge könne sie zudem nicht mehr so schnell wie früher. Daher wäre sie froh, wenn sie eine Geschäftsführerin an ihrer Seite hätte. Ihre Favoritin ist Martina Sandhop, die bereits 21 Monate vom Jobcenter gefördert bei der Gemeinschaft gearbeitet hat und nun ehrenamtlich bei der Gemeinschaft tätig ist. Doch das Jobcenter, sagt Papziner, versuche, sie stattdessen in andere Maßnahmen zu vermitteln. Irene Papziner hat Angst, dass sie geht. Auch hier würde sie sich finanzielle Unterstützung wünschen, um Martina Sandhop halten zu können.
 

Gemeinschaft hat Fans

Mitglied im Verein ist auch Harald Söhle, ehemaliger Schulrektor und SPD-Urgestein. Er glaubt, dass auch die Stadt ein Interesse an der Tätigkeit des Vereins haben müsse: „Unsere Arbeit wirkt sich auf die Schulen aus. Und die Schulsozialarbeit wurde gestrichen.“ Markus Kissling als Vertreter der Landesarbeitsgemeinschaft Soziale Brennpunkte sagte: „Wir sind Fans von dem, was ihr hier macht. Das ist ein gutes Beispiel für andere.“ Einer von denen, die etwas machen, ist Michael Dirks. „Ich habe BWL studiert, das hat mir keinen Spaß gemacht. Doch die Hausaufgabenhilfe bringt mein Herz zum Singen. Nun tue ich etwas Sinnvolles.“ Übrigens nahmen an diesem Gespräch neben Mitarbeitern der Gemeinschaft in großer Runde auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen und Ex-OB-Kandidatin Heidi Naujoks teil. Seit ihrer Kandidatur in Delmenhorst steht Letztere der Gemeinschaft beratend zur Seite. Wie es mit dem Verein weitergeht, ob er Einzelkämpfer bleiben will oder sich einem Dachverband anschließen wird, darüber wird nun der Vorstand entscheiden müssen.


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