Syrisch-orthodoxer Erzbischof lebt in Delmenhorst
1. Februar 2014

Vom Tur Abdin in die Welt

ERZBISCHOF DES SYRISCH-ORTHODOXEN GLAUBENS LEBT IN DELMENHORST
Seit dem 1. Januar 2013 lebt Julius Dr. Hanna Aydin nun in Delmenhorst. Der Erzbischof der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien war zuvor als oberster Geistlicher für die Belange des Glaubens in Deutschland verantwortlich. Jetzt konzentriert er sich in seiner Arbeit auf die Bereiche Politik und Ökumene Deutschland.
 
Tief im Südosten der Türkei, direkt am Oberlauf des Tigris gelegen befindet sich ein Gebirge. Der Name: Tur Abdin, was auf Aramäisch so viel heißt wie Berg der Knechte (Gottes). Bereits seit dem Spätmittelalter zum osmanischen Reich gehörend, kam es in der dortigen Region insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert zu Vertreibungen und Unterdrückungen der zu diesem Zeitpunkt dort noch ansässigen mehrheitlich christlichen aramäischen Bevölkerung. „Dies führte einerseits zu massiven Übertritten zum islamischen Glauben, viele andere wollten dies jedoch nicht und zogen ein Leben außerhalb der Türkei vor“, berichtet Julius Dr. Hanna Aydin, Erzbischof der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien in Deutschland. Der Exodus begann vor allem in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. „Sie zogen nach Syrien, in den Libanon, in den Irak, nach Nordamerika, einige sogar nach Australien. Seit 1976 kamen sie als Asylanten nach Europa.“
 

100.000 syrisch-orthodoxe Christen in Deutschland

Laut Aydin gibt es etwa 100.000 Angehörige des syrisch-orthodoxen Glaubens in ganz Deutschland. Von denen etwa 2.500 in Delmenhorst leben, rund 350 kommen noch aus Ganderkesee hinzu. Der Name der Religion Syrisch-Orthodox ist dabei zumindest für einen Uninformierten etwas irreführend, hat er doch grundsätzlich erst einmal nichts mit dem Staat Syrien zu tun: „Der Staat hat den Namen unserer Religion übernommen.“ Das Wort Syrer bedeutet auf Aramäisch schlicht und ergreifend Christ. Aydin ist dabei einerseits als Geistlicher für die Gemeinde Delmenhorst und Ganderkesee zuständig, außerdem verantwortet er als einer von zwei der höchsten Würdenträger des Glaubens in Deutschland die Bereiche Politik und Ökumene. Und trifft im Zuge dieser Tätigkeit zwangsweise häufiger auf Größen und Politik, wie beispielsweise die CDU-Mitglieder Volker Kauder, Norbert Lammert, Hans-Gerd Pöttering und auch Angela Merkel. Die Kontakte will er weiter intensivieren, so soll in den kommenden Monaten eine Einladung an Kauder herausgehen, Aydin in Delmenhorst zu besuchen.
 

Gespräche mit der Politik

Bei den Gesprächen mit den Politikgrößen geht es dabei natürlich vor allem um die Friedenssituation im Nahen Osten, namentlich die Probleme von Christen in Ägypten, Syrien und natürlich in der Türkei. Insbesondere in Letzterer hat sich seit der Amtsübernahme von Premierminister Erdogan im Jahr 2003 einiges zum Positiven gewandelt für die noch verbliebenen Christen in der Region Tur Abdin. „Auch wenn er als Angehöriger einer islamisch-konservativen Partei den Islam als Religion stark betont, können die Christen unter Erdogan ihre Religion wieder freier ausüben“, berichtet Aydin. Und auch die Kontakte mit den türkischen Konsulaten in Deutschland wie in Berlin und Hannover sei viel besser als vor 10 oder 20 Jahren. Was es natürlich leichter macht, die noch im Tur Abdin und der entsprechenden Region verbliebenen Freunde und Verwandten zu besuchen. Allerdings größtenteils als Urlaub. „Die hier lebenden aramäischen Christen fühlen sich nicht als Türken – das haben sie nie getan, dazu wurden sie damals in der Türkei zu sehr unterdrückt“, so der Erzbischof. „Sie fühlen sich als Deutsche und als solche ist hier natürlich auch ihre Heimat!“
 


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