KatiaSaalfrank
1. April 2013

Das Ende der Erziehung

KATIA SAALFRANK IM INTERVIEW

Am 18. April ist die Diplom-Pädagogin Katharina Saalfrank mit ihrem Programm „Du bist ok, so wie du bist: Das Ende der Erziehung“ in der Divarena zu Gast. Das Deldorado sprach mit ihr über ihr neues gleichnamiges Buch und ihr Konzept einer konstruktiven Beziehung.

 

Frau Saalfrank, Sie fordern einen Paradigmenwechsel weg von der Erziehung hin zur Beziehung. Was meinen Sie damit?

Es geht in meinem Buch um die Mechanismen von Erziehung: Macht, Anpassung und Gehorsam. Ich bin überzeugt, dass das aktive Erziehen nicht nur überflüssig, sondern auch überwiegend schädlich für Kinder ist. So stehen Kinder vor allem mit ihren Defiziten im Fokus, dabei kommen alle Kinder mit Fähigkeiten und Kompetenzen auf die Welt. Das soll und darf wachsen können, doch durch die herkömmliche Erziehung wird mehr beschnitten. Wir müssen uns auf ein Ziel verständigen und überlegen: Was ist das Beste für Kinder? Wollen wir selbstbewusste, verantwortungsvolle Kinder, die selbstständig denken und handeln und so unsere Gesellschaft gestalten können oder wollen wir gehorsame Kinder, die sich anpassen und spuren? Eltern, die mir begegnen, wollen meist ein Kind, das lebendig, selbst- und verantwortungsbewusst ist. Die Mechanismen, die wir aus dem Modell Erziehung kennen, tragen dazu nicht bei. Die Beziehung in den Mittelpunkt zu stellen, ist eine gute Alternative.

 

Aber brauchen Kinder keine Erziehung oder strukturierende Regeln im Familienalltag, um zu erkennen, dass gewisse Grenzen, zum Beispiel Gesetze, einzuhalten sind?

Wenn ich vom Ende der Erziehung spreche, dann geht es nicht darum, Kinder sich selbst zu überlassen, frei oder antiautoritär zu erziehen. Das sind alles Begriffe aus dem Modell Erziehung. Kinder brauchen Orientierung und Erwachsene, die sie führen und natürlich ist es wichtig, dass Kinder die „Spiel“-Regeln der Gesellschaft kennenlernen. Die Frage ist aber, in welcher Weise Kinder diesen Prozess beschreiten dürfen? Es geht darum, die Mechanismen von Erziehung – auch der vermeintlich „modernen“ Erziehung – zu verstehen. Für mich stellt sich die Frage nach dem grundsätzlichen Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Kinder sind die loyalsten Wesen der Welt, aber brauchen für eine gute Entwicklung größtmögliche Autonomie. Das sind die beiden Pole, zwischen denen Eltern sich in der Beziehung zu ihren Kindern bewegen. Beziehung statt Erziehung – wenn wir mit Kindern in einen gleichwertigen Dialog gehen können, ersparen wir uns viele Machtkämpfe.

 

Was können gestresste Delmenhorster Eltern nach Ihrem Auftritt in der Divarena für sich mit nach Hause nehmen?

Im Alltag mit den Kindern haben wir häufig viel zu hohe Erwartungen an uns und präzise Vorstellungen davon, wie sich das Familienleben gestalten soll. Wir lassen uns schnell verunsichern, wenn mit unseren Kindern etwas einmal nicht so läuft. Wir sind dann mit diesen vermeintlichen „Störungen“ im Alltag häufig so beschäftigt, dass wir das Wesentliche vergessen – nämlich uns an unseren Kindern zu freuen!

 


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