Container
1. März 2013

Eine Delmenhorster Problemschule?

EKLATANTER PLATZMANGEL IN DER IGS DELMENHORST

Der Konflikt wegen der Container an der IGS spitzt sich immer mehr zu. Klar ist, dass die IGS dringend neue Räume braucht, Delmenhorst bei der schwierigen Haushaltslage jedoch kaum Geld in die Hand nehmen kann. Wie ist die Stimmung an der Gesamtschule?

 

Beim Betreten der Schulcontainer schlägt einem sofort extrem stickige, heiße Luft entgegen. „Das ist nur ein Problem“, erzählt Schulleiter Ingo Fricke. „Die Räume sind unglaublich fußkalt, die gesamte Hitze steigt nach oben.“ Aus diesem Grund würden zahlreiche Schülerinnen mit dicken Fellboots, aber nur mit T-Shirt den Unterricht verfolgen. Zu viel für den resoluten Schulleiter: Er hat die Container die vergangenen anderthalb Monate dicht gemacht, um die Jugendlichen vor etwaigen Folgen wie einer Blasenentzündung zu schützen. Nun müssen einige Klassen ihren Unterricht im Freizeitbereich bestreiten – zwischen Billardtischen und anderen Einrichtungen. „Immer noch besser als eine Blasenentzündung“, findet Fricke.

Die Kritik an den Containern, die seit 2011 als provisorische Unterrichtsräume an der Integrierten Gesamtschule dienen, geht aber noch weiter. Die Akustik der Räume ist sehr schlecht, wie sich die Deldorado-Redakteurin bei einem Besuch vor Ort selbst überzeugen konnte. „Das ist momentan noch gar nichts“, findet Fricke. „Wenn der Regen hier auf das Containerdach prasselt, versteht man sein eigenes Wort nicht mehr.“

 

Kälte ist nur ein Problem

 

In diesen Containern werden außerdem die einfachsten Dinge schwierig. Tafel wischen zum Beispiel. Die Container verfügen nämlich nicht über einen eigenen Wasseranschluss, sodass Schüler, die Tafeldienst haben, einen Eimer Wasser aus dem Schulgebäude holen müssen. Toiletten gibt es natürlich auch nicht, dafür jede Menge Kabel, die aus den Wänden ragen. „Das sagt einem ja schon der gesunde Menschenverstand, dass solch ein Lernort nicht gut sein kann“, so Fricke. Bis Mitte 2013 sind die Container noch angemietet, ein notwendiges Übel, denn bei 24 Klassen gibt es lediglich 22 Klassenräume. „So konnte man die die Blutung stoppen, die Entzündung an sich ist jedoch immer noch da“, umschreibt der Schulleiter das Problem. Gerade bei einer Integrierten Gesamtschule sei es zudem extrem wichtig, jede Menge Differenzierungsräume zu haben, um die Fähigkeiten jedes einzelnen Schülers zu fördern – in einer Schule mit solch einem eklatanten Platzmangel kaum möglich.

Zudem sind die Klassen in der IGS sehr groß, erst Klassen mit über 30 Schülern müssen geteilt werden. Im Gymnasium liegt die Grenze bei lediglich 24 Kindern. „Lernen braucht Bewegung, das ist in einem Klassenraum mit 30 Schülern, der auf 24 Kinder ausgelegt ist, kaum möglich. Wir haben sehbehinderte Kinder, die noch einmal einen extra PC im Raum stehen haben, Kinder arbeiten auf Fluren und Tischtennisplatten, diese Lernumgebung aufzufangen ist wirklich schwierig.“

 

Auswirkungen auf Anmeldezahlen

 

Dieser ganze Hickhack geht an der Integrierten Gesamtschule nicht spurlos vorbei. Die Schule gilt eigentlich als sehr beliebt, in den letzten Jahren gab es hier doppelt so viele Anmeldungen wie freie Plätze. Aber durch die Sache mit den Containern scheint auch der Ruf ein wenig zu leiden. „Der Raum Teil des Lehrkonzepts und wenn es hier krankt, krankt auch die Gesamtsituation. Wir haben viele Eltern, die unser Konzept gut finden, jedoch von den Containern angeschreckt werden.“ Fricke schätzt, dass es deshalb in diesem Schuljahr um die 20 Anmeldungen weniger gab. Dennoch können zahlreiche Schüler von einem Platz an der IGS nur träumen. „Eine zweite IGS hier in der Stadt würde sicherlich entspannend wirken“, findet Fricke. „Mal schauen, was die neue Landesregierung da so plant.“ Und auch die Lehrer sind mit der Situation nicht richtig glücklich, es sei schon ein gewisser Frust zu spüren. „Wir haben jahrelang gewartet, dass sich die Situation verbessert, aber es ist einfach nichts passiert!“

Lösung in Sicht?

 

Obwohl die Verwaltung für die Container verantwortlich ist, gibt Ingo Fricke an, dass das Verhältnis zwischen Schule und Stadt sehr gut sei: „Die Fachbereichsleiter wollen mir helfen und die Lokalpolitik ebenfalls. Alle wollen mir helfen, das Problem ist nur, dass das Geld in Delmenhorst fehlt.“

Zumindest gibt es einen Hoffnungsschimmer, eine Lösung könnte in Sicht sein. Denn auch die Politik hat verstanden, dass diese Situation nicht mehr tragbar ist, und hat im Schulausschuss Ende Januar über die Raumprobleme an der IGS beraten. Der Vorschlag der Schule: Man könne die Cafeteria, die sich zurzeit im Erdgeschoss des Hauptgebäudes befindet, in die Mensa verlegen und den Raum der ehemaligen Cafeteria wieder als Aufenthaltsbereich der Oberstufe nutzen. So würden im Obergeschoss zwei Räume frei, die als Klassenräume genutzt werden könnten. Theoretisch. Dieser Umbau würde um die 55.000 Euro kosten. Der Ausschuss stimmte mit Mehrheit darüber ab – jedoch vorbehaltlich der noch zu fassenden Haushaltsbeschlüsse 2013. Und der Haushalt sieht bekanntereise gar nicht gut aus, es müssen zahlreiche Einsparungen gemacht werden. Im März soll endgültig entschieden werden. So lange muss die IGS wohl weiter hoffen und bangen – und weiter im Freizeitbereich unterrichten.


Schlagwörter: , , , ,