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    Wulff-Besuch: Spaltung und Versöhnung beim Iftar-Mahl

    Das diesjährige Iftarmahl der islamischen Gemeinden Delmenhorst stand trotz prominenter Zusage vorab unter keinem guten Vorzeichen. Aufgrund eines Streits ist der Oberbürgermeister ausgeladen worden, was hohe Wellen geschlagen hat. Doch der gelungene Abend an sich hat für den Ärger im Vorfeld entschädigt.
     
    Versprechen muss man einhalten. Zwischen Oberbürgermeister Patrick de La Lanne und Vertretern der drei islamischen Gemeinden DITIB, DIBV und Mevlana-Moschee war es im Vorfeld des Iftar-Mahls zu Unstimmigkeiten um die Ausrichtung eines Ramadanempfangs im Rathaus gekommen. Die drei Gemeindevertreter Yusuf Alic (DIBV), Cumali Keser (Mevlana) und Mahmut Andiz (DITIB) hielten dem Oberbürgermeister vor, er habe ihnen bereits vor längerer Zeit zugesagt, dass es einen Ramadanempfang mit städtischer Unterstützung geben sollte.
     

    Zwietracht vor dem Mahl

    Doch da der OB mit Bezug auf seine Abwahl den Gemeindevertretern per E-Mail eine Absage erteilt hatte, luden sie ihn kurzerhand wieder aus. Keine gute Voraussetzung für ein Abendessen, an dem sich Menschen verschiedener Religionen besser kennen lernen sollen. Denn geladen waren auch evangelische, katholische und aramäische Gemeindevertreter. Die Ausladung war ein Affront gegenüber Patrick de La Lanne, besonders vor dem Hintergrund, dass Bundespräsident a.D. Christian Wulff als Ehrengast geladen war und der Oberbürgermeister zudem Schirmherr des Events ist. Doch letztlich kamen alle zu ihrem Recht. Nach der beherzten Intervention von Murat Kalmis, der sowohl zu den Gemeinden gute Beziehungen pflegt als auch mit dem Oberbürgermeister gut bekannt ist, kam es zu einem klärenden Gespräch. Die Gemeindevertreter entschuldigten sich (Yusuf Alic ausgenommen) und ein Termin für einen Ramadanempfang mit städtischer Beteiligung in der Markthalle wurde auch vereinbart.
     

    Wulff warb für gegenseitiges Verständnis

    Murat Kalmis war es auch zu verdanken, dass der Bundespräsident a.D. überhaupt nach Delmenhorst gekommen ist. Denn Christian Wullf ist mit ihm befreundet und Kalmis hat ihn auch schon mehrfach in Fragen der Türkei beraten. Mit ihm hatten die Gemeinde einen überaus hochkarätigen Redner für ihre Feier erhalten. Zwar ist Wulff von seinem Bundespräsidentenamt zurückgetreten, doch das ändert nichts daran, dass er während seiner Amtszeit für ein stärkeres gegenseitiges Verständnis geworben hat.
     

    Wer kann was einbringen?

    Seine Aussage, dass auch der Islam zu Deutschland gehöre, hat seiner kurzen Amtszeit den Stempel aufgedrückt und dürfte auch noch nachhallen. In seiner Rede stellte er noch einmal heraus, dass Delmenhorst beim Kampf gegen das Nazi-Hotel zusammengestanden habe. Und er wies darauf hin, dass in Gegenden, wo es keine oder kaum Muslime gebe, das Misstrauen ihnen gegenüber jedoch besonders hoch sei. Bei der Fußball-WM hätten Menschen mit verschiedenem Herkunfts- und Religionshintergrund gespielt. „Letztlich hat Jogi Löw nicht gefragt, woher die einzelnen kommen, sondern er hat danach gefragt, wer kann was einbringen, damit man ein gemeinsames Ziel zusammen erreicht.“
     

    Jerome, Miroslav und Sami bringen sich ein

    Statt wie 1990 lauteten die Vornamen der Spieler nun nicht Andreas (Brehme), Lothar (Matthäus) oder Rudi (Völler), sondern wie selbstverständlich Jerome, Miroslav, Sami oder Mesut, stellte Wulff fest. Dem Appell für mehr gegenseitige Verständigung konnte sich Bekir Alboga vom Bundesverband der staatlichen türkischen Ditib Moschee anschließen. Er sagte später: „Christian Wulff hat eine Lanze gebrochen.“ Er wünsche sich mehr Freunde und Gefährten wie ihn. Einen sorgenvollen Blick richtete Alboga indes auf die Geschehnisse und das Leid im Nahen und Mittleren Osten. „Die besondere Wirkkraft des Ramadan scheint dort derzeit ausgehebelt.“ In die Kerbe des besseren gegenseitigen Kennenlernens schlug auch der türkische Generalkonsul Mehmet Günay aus Hannover in seinem Redebeitrag: „Ein Iftar-Mahl ist ein wichtiger Anlass, dass Leute sich gegenseitig kennenlernen.“ Durch eine Willkommenskultur könne man sich über Grenzen hinweg begegnen und Verständnis schaffen. Diese Erkenntnis dürfte nach auch in Delmenhorst noch nachhallen.

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