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    Eisenproduktion vor 2.000 Jahren

    ARCHÄOLOGISCHE SPURENSUCHE IN GANDERKESEE-WEST

     

    Wo die Gemeinde Ganderkesee möglichst bald Gewerbetreibende ansiedeln möchte, wurde bereits vor gut 2.000 Jahren Erz zu Eisen verarbeitet. Zurzeit legt eine Grabungsfirma die Spuren einer vorgeschichtlichen Siedlung frei und sichert sie für die Nachwelt.

     

    In der Nähe der gleichnamigen Autobahnabfahrt, in Ganderkesee-West, soll noch in diesem Jahr ein neues Gewerbegebiet erschlossen werden. Bislang macht das Gelände allerdings den Eindruck, als seien hier überdimensionale Maulwürfe am Werk, denn auf dem insgesamt 26 Hektar großen Areal reiht sich Erdhügel an Erdhügel. Für die ist ein Team der Spezialfirma denkmal3D verantwortlich, das dem Erdreich mit Schaufeln und einem Bagger zu Leibe rückt.

    Über 2.000 Jahre alte Funde

    Der Archäologe Andreas Hummel und die Grabungstechnikerin Daniela Behrens leiten die Arbeiten. Während ein Bagger die jüngeren Schichten des Erdreichs abzieht, halten sie im freigelegten Boden nach Verfärbungen Ausschau. „Der Blick ist entsprechend geschult“, erläutert Behrens. Verfärbungen im Boden – das klingt zunächst einmal nicht besonders spektakulär, sie könnten aber die Überreste uralter Öfen oder Häuser sein. Zudem kommen bei den Grabungen immer wieder Keramikscherben ans Tageslicht, darunter einige größere Funde mit Verzierungen. Die Scherben können die Grabungsfachleute mit anderen Keramikfunden vergleichen und somit auch zeitlich einordnen. Demnach stammen die Spuren in Ganderkesee aus der Zeit zwischen 400 beziehungsweise 300 Jahre vor bis 200 Jahre nach Christi Geburt.

     

    Eisenverhüttung im großen Stil

    Bereits bei den Voruntersuchungen ist das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege auf 17 Verhüttungsöfen gestoßen. Hier verarbeiteten also einst Menschen im großen Stil Erz, das sie in Bodennähe in Form von Raseneisenstein fanden, zu Geräten und Waffen aus Eisen. Einige Öfen mehr hat das Team bislang ausfindig machen können. Archäologe Hummel rechnet damit, im Nordwesten des Gebiets rund hundert weitere zu finden. Auf vergleichbar große Verhüttungsplätze aus jener Zeit sind Forscher zwar schon anderswo gestoßen, nicht aber in dieser Region. „Etwas Besonderes“ sei aber, dass hier die Siedlung gleich neben dem Verhüttungsplatz gelegen habe, hebt Hummel hervor. Über die Überreste der Pfosten- und Abfallgruben können die Fachleute die Grundrisse der Holzhäuser rekonstruieren, in denen die eisenzeitlichen Bewohner des heutigen Ganderkesees-West lebten: Auf drei bis vier Langhäuser, die aus mehreren Gebäudeschiffen bestehen, ist das Team bisher gestoßen. Auch hier rechnet Hummel damit, im Boden auf weitere Funde zu stoßen.

    Parallel zu den archäologischen Untersuchungen soll in diesem Frühjahr mit der Erschließung des neuen Gewerbegebiets begonnen werden. Und eins ist sicher: Industrie und Handwerk, die sich hier ansiedeln, könnten auf eine lange Tradition verweisen.

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