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1. Juni 2013

Unterwegs mit dem Duo Discus

PILOT SEIN FÜR EIN WOCHENENDE

Einmal frei wie ein Vogel am Himmel schweben: Beim Schnupperwochenende des Luftsportvereins konnten Interessierte zwei Tage lang ausprobieren wie es ist, als Pilot am Steuer eines Segelflugzeugs ohne Motorenlärm am Himmel zu kreisen. Ein Erfahrungsbericht von Steffen Peschges.

 

Am Samstagmorgen um 9 Uhr auf dem Segelflugplatz Große Höhe gibt es 14 verschlafene Teilnehmergesichter und erst einmal einen Becher Kaffee. Fluglehrer Heiko Gesierich, der den Schnuppertag für den LSVD organisiert hat, erklärt den Fluginteressierten danach eine gute Stunde lang die Theorie des Segelflugs. Wie verhält sich das Flugzeug, wie schnell sinkt es ohne den nötigen Aufwind, die sogenannte Thermik, und was bewirken Höhen-, Seiten- und Querruder? Nach der Theorie kommt die Praxis. Unser zweisitziges Flugzeug, der Duo Discus, teilen sich mit mir drei weitere Neulinge. Unser Fluglehrer, der dafür sorgt, dass wir Möchtegern-Piloten wieder heil am Boden ankommen, ist Andreas „Andy” Gesierich, der Bruder von Organisator Heiko. Vor dem Start gibt es wie bei großen Jets auch beim Segelflieger erst einmal ein paar Checks: Durch das Bewegen des Steuerknüppels nach vorn und hinten beziehungsweise links und rechts sowie den gleichzeitigen Blick nach draußen überprüfen wir die Funktion von Höhen- und Querruder, der Tritt auf das Fußpedal zeigt, dass auch das Seitenruder intakt ist. Nachdem wir uns auch noch vergewissert haben, dass die Landeklappen funktionieren, der Höhenmesser auf null steht, der Fallschirm angelegt ist und auch der Gurt stramm sitzt, schließen wir die Plexiglaskuppel über unseren Köpfen. Kurz vorher wird noch unten am Rumpf das Startseil eingeklinkt. Anschließend hebe ich als Pilot die Hand. Für den Helfer an der Tragfläche ist es das Signal, dass wir startbereit sind. Dann hebt wiederum er die Hand, um dem Verantwortlichen an der Seilwinde anzuzeigen, dass das Flugzeug starten kann ist.

 

Das Flugzeug steigt – der Puls auch

Es folgen Sekunden des Wartens. Dann geht alles blitzschnell. Ein kurzes „Klack“ ist zu hören, das Seil strafft sich. Es beginnt, uns in Windeseile vorwärts zu ziehen. Der Duo Discus rast über die Grasnarbe und verlässt bereits nach etwa 40 Metern den Boden. Kein Wunder, dass es mit Formel-1-Beschleunigung vorangeht, denn die Seilwinde, die so kräftig am Flugzeug zieht, wird von einem gut 300 PS starken V8-Motor angetrieben. Unser Flugzeug steigt, mein Puls auch.  „Halten, halten, halten“, gibt Fluglehrer Andy Gesierich hinter mir kurz nach dem Abheben das Kommando, den Steuerknüppel in Neutralstellung zu belassen. Für das Steigen sorgt in dieser frühen Phase allein die Kraft der Seilwinde. Irre, wie schnell es vorwärts geht. Kurz drauf heißt es leicht am Steuerknüppel ziehen. Wir steigen nun steiler und irgendwann auch langsamer. Auf knapp 400 Meter Höhe klinkt der Haken mit einem lauten Knall aus, das Seilende schwebt per Fallschirm zurück zum Boden. Unser Steigflug endet, das war’s, wir sind oben. Nun muss man dreimal am gelben Hebel unter den Instrumenten ziehen. Durch dieses „Nachklinken“ vergewissert sich der Pilot, dass sich das Seil auch tatsächlich vom Flugzeug gelöst hat. „Du fliegst“, sagt Andy Gesierich. „Einen Vollkreis rechts“, wünscht er sich von mir. Also vorsichtig den Steuerknüppel nach rechts gezogen und zugleich mit dem rechten Pedal das Seitenruder betätigt. Die rechte Tragfläche kippt ab, die Nase senkt sich leicht, das Flugzeug beginnt, den gewünschten Kreis zu fliegen. „Vorher nicht rechts über die Schulter geschaut“, beschwert sich mein Fluglehrer hinter mir. Recht hat er. Denn obwohl die moderne Technik den Piloten vor Flugzeugen in der Nähe per Piepton und durch Leuchtdioden warnt, gilt auch in der Luft: Vorher schauen, ob der Weg frei ist, ist dauerhaft gesünder.

 

Ist Fliegen leicht? Ja, zumindest für einen Moment

Der Blick über das ländliche Umland rund um die Große Höhe ist atemberaubend. Unter uns zeigen sich grüne Wiesen, braune Felder und der See des Surfclubs. Doch viel Zeit zum Genießen bleibt nicht. Wir müssen kreisen, um Thermik zu erwischen, sonst verlieren wir an Höhe. Als sie uns erfasst, rüttelt es ordentlich am Flugzeug. Das Variometer zeigt an, dass wir nun langsam steigen. Und weiter geht es im Kreis. Ist das Steuern eines Segelflugzeugs tatsächlich so leicht? Ja und nein. Mit etwas Gefühl merkt man schnell, wie das Flugzeug reagiert, wie es sich beim Zug am Steuerknüppel und dem gleichzeitigen Tritt aufs Pedal in die Kurve legt. Doch natürlich können solche kleinen Erfolge nicht darüber hinwegtäuschen, dass man als Anfänger nichts kann. Spätestens bei der Landung würde man je nach Windverhältnissen kläglich scheitern. Apropos Landung. Da heute kaum Thermik ist, geht es nach einer Viertelstunde wieder hinunter. Nun sind beide Hände gefragt. Mit der linken fährt man mit dem blauen Hebel die Landeklappen aus und bremst das Tempo ab. „Den Hebel lässt man ab diesem Moment nicht mehr los“, hatte Fluglehrer Heiko Gesierich uns am Morgen noch beigebracht. Kurz vor dem Aufsetzen hebt man mit dem Steuerknüppel in der rechten Hand leicht die Flugzeugnase an, ehe das Rad aufsetzt, über das Gras rumpelt und wir langsam ausrollen.

 

Guter Einblick

Das Wochenende bot einen umfassenden Einblick in die Welt des Segelflugsports. Auch die befragten Teilnehmer äußerten sich zufrieden. Daniel Kielmann sagte zum Beispiel: „Ich fand es gut, dass man nicht nur mitfliegen, sondern selbst steuern durfte.” Auch Freya Stolper fand es toll, einmal selbst Pilotin sein zu dürfen: „Es ist ein bisschen wie Achterbahnfahren. Und man sieht viel mehr als im Linienflugzeug.“  Wer es selbst mal ausprobieren möchte: Weitere Infos gibt es unter  www.lsvdelmenhorst.de



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