Bauchweggürtel
1. April 2013

Tausch dich hoch

VOM KUGELSCHREIBER ZUM BAUCHWEGGÜRTEL

Ein Kugelschreiber, Optimismus und Handlungsgeschick – so lautet die Erfolgsformel für die kommenden 20 Tage. Der Plan: Wir ziehen mit einem Kugelschreiber los und tauschen ihn immer weiter gegen teurere Gegenstände ein, um uns am Ende möglichst reichgetauscht zu haben.

 

Tag 1 bis 5: Ein Kanadier hat es vorgemacht und sich von einer Büroklammer zum Eigenheim getauscht. Jetzt wollen auch wir vom Deldorado wissen, wie weit man mit dem Tauschtrend kommen kann.  Der erste Abend ist von Zweifeln geprägt – aber auch von Neugier: Wird wirklich jemand mit uns tauschen? Tatsächlich, der Kugelschreiber wird ohne Probleme mit einem Rubbellos getauscht, das dann kurzerhand in eine Packung Instinct-Kaugummi verwandelt wird. Vom Kuli (ab etwa 40 Cent) über das Rubbellos (1 Euro) bis hin zu den Kaugummis (1,60 Euro) haben wir uns zwar schon deutlich hochgearbeitet, aber ein Eigenheim, wie bei unserem kanadischen Vorreiter, liegt in weiter Ferne.

 

Tag 6 bis 12: Nach einigen erfolglosen Tauschversuchen findet endlich auch das Päckchen Kaugummi einen neuen Besitzer. Mädchen von 12 bis 18 wären begeistert, denn im Gegenzug halten wir jetzt einen „Twilight“-Roman in den Händen. Genau dieser Gedanke hat uns zum Erfolgsbuch von Stephanie Meyer greifen lassen, als die Verkäuferin im Buchladen uns für das Kaugummi ein Buch vom Mängelexemplar-Tisch anbot. Doch das Weitertauschen gestaltet sich – Bestseller hin oder her – nicht leicht. In Geschäften sagt man uns, dass ohne das Einverständnis des Chefs kein Tausch möglich sei. Problem dabei ist, dass es heutzutage fast nur noch Ketten gibt. Und deren Chefs sind im besten Fall in Berlin im schlechtesten Fall jedoch in Timbuktu zu finden. Doch aufgeben kommt noch nicht infrage.

 

Tag 12 bis 20: Nach endlosen Versuchen in sämtlichen Geschäften sind wir kurz vorm Verzweifeln. Das „Twilight“-Buch erscheint uns als Endprodukt bereits immer attraktiver, als endlich ein Lichtblick am Tauschhimmel erscheint. „Light Blue“ heißt er passenderweise und ist eine Bodylotion von Dolce & Gabbana, die 18 Euro wert ist. Vom 3-Euro-Mängelexemplar können wir nun also endlich einen exponentiellen Gewinnanstieg verzeichnen. Doch mit der teuren Crème wird es nicht leichter. Für mehr als einen einstelligen Betrag wollen die Geschäfte erst recht nicht mehr mit uns tauschen. Ein neuer Plan muss her, denn die Zeit drängt. Im Internet werden wir schließlich fündig. Bei Facebook gibt es ein Delmenhorster Schnäppchenparadies, wo wir unser Tauschobjekt mit schickem Foto markttechnisch bestens platzieren: Und siehe da: Auf der Zielgeraden können wir unseren Gewinn noch einmal verdoppeln. Ein Bauchwegtrimm-Gürtel, der ehemals 39,90 Euro  gekostet hat, wird gegen die edle Lotion getauscht. Den Gürtel versuchen wir ebenfalls noch über Facebook loszuwerden, aber die Zeit läuft uns schließlich davon.

 

Fazit

Wir haben uns vom Kuli zum Bauchweg-Gürtel getauscht und damit unseren finanziellen Gewinn ums Hundertfache gesteigert. Hochtauschen funktioniert also. Aber sind wir auch glücklich mit dem Endprodukt? Der Gürtel vibriert an unseren Bäuchen fröhlich vor sich hin, kann uns aber nicht überzeugen. Wir müssen also feststellen, dass teuer nicht immer besser ist und das Endprodukt einer Hochtausch-Aktion nicht immer so ausfällt, wie man sich das vielleicht wünscht.