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1. Mai 2013

Poetische Entdeckungsreise

DER KÖRPER IN DER GALERIE

Bis zum 9. Juni zeigt die städtische Galerie Werke aus der Sammlung von Rik Reinking. Die Ausstellung „Poesia“ setzt die Endlichkeit unseres Seins – also des Körpers und allem, was dazugehört – in Szene.

 

Bereits im Entree beginnt die ganz persönliche Reise durch die Welten des eigenen Körpers. Ein riesiges Auge (Douglas Gordon) hängt an der Wand hinter dem Empfangstresen. Es erspäht sofort alle neugierigen Blicke der Besucher. „Hier gibt es echt etwas zu entdecken“, erklärt Galerieleiterin Dr. Annett Reckert, „Wir möchten nicht einfach ein Feld abdecken, sondern Fragen aufwerfen.“ Und dies ist wörtlich zu nehmen. Zum Beispiel mit einem mit Fliegen übersäten Schädel, Knochen als Telefonhörer oder einem gesichtslosen Mann, der in der Ecke sitzt.

 

Schlummerndes Fell

Verschiedene Räume zu Themen wie Schmerz, Zeit oder Tod beherbergen spezielle Kombination aus zeitgenössischer Kunst und Artefakten. Und dies nicht unbedingt im klassischen Sinne. „In der ganzen Ausstellung geht es um einen selbst“, erklärt Rik Reinking, „man entdeckt hier auch mehr über mich, als mir lieb ist.“ Wer einen schnellen Durchgang vorbei an perfekt beleuchteten Gemälden sucht, ist hier eindeutig fehl am Platz. In „Poesia“ begegnet der Betrachter den Werken, erkundet und entschlüsselt sie. Und manchmal wird das ein oder andere Objekt vielleicht erst auf den zweiten Blick verstanden: Ein Kaninchenfell liegt zwischen zwei Steinen auf dem Boden. Es bewegt sich leicht auf und ab – Atemzug für Atemzug. Dazu ein Schlummergeräusch. Ein Atemobjekt von Günter Weseler, das fasziniert.

Schwarz auf Schwarz

Ein Highlight ist das Werk von Jonathan Borofsky „Subway Dream“. Auf den ersten Blick ein schwarzes Bild, entpuppt es sich bei näherem Hinsehen als schwarzer Text auf schwarzem Hintergrund. Durchaus lesbar.  Der Text handle von einem Traum, erläutert Reinking. Eine Geschichte zweier Jungen, hell- und dunkelhäutig, mit offenen Ende. Auch hier bleibe viel Platz für offene Fragen und freie Interpretation, um sich selbst mit dem Werk auseinanderzusetzen.

Manche Werke wurden in der Galerie neu realisiert und auch den Räumen angepasst. So findet sich ein Delmenhorster Baum, an dem die Körperabnahmen von Marc Quinn herunterhängen. Dabei besitzt Reinking die Rechte für das Werkkonzept, das immer neu umgesetzt werden muss. Bei ihm zu Hause würde so ein Baum auch nicht lange halten, fügt er schmunzelnd hinzu. Der gebürtige Oldenburger hat seine ganz eigene Beziehung zu seiner Sammlung: Er findet sich selbst in der Kunst wieder. Für ihn zählt die Geschichte und Wirkung rund um ein Werk, nicht der Preis. „Rik ist ein Sammler, der extrem mitdenkt. Ohne dieses kooperative und findige Vorgehen wäre diese Sache nicht möglich gewesen“, betont Annett Reckert. Ein Lieblingsstück der beiden ist übrigens eine winzige Tür von Peter Land mit dem Untertitel: „Das nächste Mal, wenn dieser Scheißkerl reingeht, erschieß ich ihn.“


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