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1. Juli 2013

Ostalgie in Delmenhorst?

Thüringer Bratwurst, Trabi und co.

Zwar lag die Stadt an der Delme bekanntlich nie in der Zone, dennoch gibt es auch hier immer noch einiges, was das Herz eines „Ostalgikers“ höher schlagen lässt. Also wie viel Osten steckt in Delmenhorst? Das Deldorado schaute sich einmal genauer um.

 

Im Juni waren ganz besondere Freunde zu Besuch: Eine Delegation aus der Partnerstadt Eberswalde war angereist, um die seit 20 Jahren bestehende Partnerschaft zwischen beiden Städten zu feiern. Delmenhorster unterstützten Eberswalder nach der Wende zum Beispiel dabei, eine funktionierende Verwaltung einzurichten. Aber was verbindet man in Delmenhorst noch mit dem Osten? Denn spätestens mit der deutschen Wiedervereinigung wurden Lebensart und auch Produkte des Ostens gemeinsames historisches und eben zum Teil noch aktuelles Gut. Zu den bekanntesten Dingen gehören wohl Lebensmittel wie Spreewälder Gurken, Bautz‘ner Senf oder Zetti Knusperflocken. Auch Thüringer Fleischwaren sind Delikatessen des Ostens. In Delmenhorst handelt beispielweise Mario Engelhardt als „Der Wartburgstädter“ mit der bekannten Rostbratwurst, aber auch mit anderen fleischigen Genüssen wie Stracke, Rosbrätl und Soljanka. Apropos Wartburg: Hier sieht man häufiger, als man denkt noch Ostfahrzeuge. Der Trabi entwickelte sich in den letzten Jahren bei vielen Autoliebhabern zu einem Sammlerauto mit Kultstatus – in der Stadt an der Delme gibt es sogar einen Trabi-Verein.

 

Trabi-Verein seit 2005

 

Nach neun Jahren Clubtätigkeit fand 2005 die Vereinsgründung des Trabant Freunde Nord-West e. V. statt. Der Verein befasst sich mit den Fahrzeugen Trabant, Wartburg und Barkas und verfügt sogar über eine eigene Schrauberhalle. Derzeit gibt es zwölf Mitglieder, allerdings kommt keiner davon aus dem Osten. „Unseren Club gibt es nur, weil wir den Trabi mochten, wie viele andere Leute auch“, erzählt Schriftführerin Bärbel Neumann. Die meisten Trabi-Clubs hätten sich im Laufe der Jahre wieder aufgelöst oder existierten mit minimalem Einsatz weiter. „Und hier, weit hinter der östlichen Linie, haben Trabi-Clubs es eigentlich besonders schwer“, berichtet Neumann weiter. Einige versuchen es gelegentlich noch, Trabi-Treffen auf die Beine zu stellen. Aber die meisten davon, sind eher Oldtimer-Treffen, an dem dann auch ein Trabi teilnehmen darf. Weit weg von Delmenhorst, meistens im Osten der Republik oder im Ausland, gibt es noch richtige Trabi-Treffen, aber selten „um die Ecke”. Die etwas größeren Treffen in Zwickau und Anklam seien zudem dermaßen kommerzialisiert, dass ein einfacher Club es sich kaum mehr leisten könne, daran teilzunehmen.

 

Unschöne Plattenbauten


Aber nicht nur Nahrungsmittel und Autos erinnern hier an die DDR, auch einige Bereiche der Stadtarchitektur tun dies durchaus: zum Beispiel der Wollepark. Riesige Betonburgen ragen in den Himmel – ganz im Stil der bekannten Plattenbauten. Allerdings beabsichtigt die Stadt, nach und nach das Erscheinungsbild insgesamt zu verbessern. Mal schauen, ob man hier in zehn Jahren auch noch in „Ostalgie“ verfällt …

 


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