ENGAGEMENT GEGEN MISSBRAUCH IM VEREIN SEELENKÄMPFER E.V.
1. Januar 2013

Helfer für geschundene Seelen

ENGAGEMENT GEGEN MISSBRAUCH IM VEREIN SEELENKÄMPFER E.V.

Manches Leid ist nur sehr schwer zu ertragen. Dazu zählen der sexuelle Missbrauch und Gewalt an Kindern. Eine Delmenhorsterin und ihr neu gegründeter Verein wollen Betroffenen helfen.

 

Der Sohn von Katrin Groneberg wurde vor acht Jahren von einem Nachbarsjungen missbraucht. Nicht hier in der Stadt, sondern in Schleswig-Holstein. Vor zwei Jahren zogen Mutter und Sohn nach Delmenhorst, um hier neu anzufangen. Noch heute weiß Katrin Groneberg nicht vollständig, was ihrem Sohn damals angetan wurde. „‚Ich darf dir nicht alles erzählen, sonst weinst du‘, hat mein Sohn zu mir gesagt“, erzählt sie. Zwar wurde der Täter verurteilt, doch das erlebte Leid hat Katrin Groneberg hilflos gemacht. Und hilflos wollte sie nicht bleiben. Daher gründete sie zusammen mit anderen, darunter weitere Betroffene, kürzlich den bundesweit aktiven Verein Seelekämpfer e. V. gegründet, der sich gegen sexuellen Missbrauch und Gewalt an Kindern richtet.

 

Tabuthemen mit weiter Verbreitung

Missbrauch und Gewalt an Kindern sind immer noch ein Tabuthemen, doch das Vorkommen ist leider kein Einzelfall. „85 Prozent des Missbrauchs“, so Groneberg, „findet in der Familie statt“. Einen Großteil des Rests machten Taten aus, die im Internet angebahnt würden, sagt sie. Es sei schwer, Missbrauch in der Familie präventiv zu begegnen, da man dort herzlich miteinander umgehe. Aber es gelte, Grenzen, die Kinder in diesem Punkten setzten, zu akzeptieren. Wenn ein Kind der Tante oder dem Onkel kein Küsschen gebe wolle, solle man dies akzeptieren und es nicht dazu drängen.

 

Tipps fürs Internet

Inzwischen bietet der Verein Seelenkämpfer auch Seminare für Pädagogen und Eltern an, um die Gefahr durch Missbrauch, der durch soziale Netzwerke droht, einzudämmen. Ein Rat an die Kinder sei, im Netz nur mit Leuten zu kommunizieren, die sie aus dem wahren Leben kennen würden. Zudem solle man sich das Profil des virtuellen Gegenübers genau anschauen: Verdächtig sei zum Beispiel, wenn ein Chatpartner vorgibt, auf die Schillerschule zu gehen, dort aber keine Netzwerkfreunde hat.

 

Betroffene – nicht Opfer

Auch für die Realwelt gibt es Tipps: „Wenn Kinder von Fremden bedrängt oder zum Mitkommen gezwungen werden, sollten sie die Person laut siezen. So ist für Außenstehende sofort ersichtlich, dass dort nicht ein Kind quengelt, sondern etwas nicht stimmt“, erklärt Michael Winter, Lebenspartner von Katrin Groneberg. Doch was ist zu tun, wenn das eigene Kind sagt, es sei Opfer von Missbrauch geworden?  „Man sollte ihm glauben“, so Groneberg. „Und es nur so viel erzählen lassen, wie es von sich aus erzählen will.“ „Und die Polizei hinzuziehen“, ergänzt Winter. Der Verein spreche übrigens nicht von Opfern, sondern von Betroffenen, sagt Gronenberg. „Das prägt nicht so sehr das Leben.“ Weitere Infos: www.seelenkaempfer.com


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