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2. Februar 2015

Erotische Trends im lokalen Visier – Worauf stehen die Delmenhorster?

Deutschland wird in sexueller Hinsicht immer freizügiger. Heute sprechen Menschen viel offener über erotische Vorlieben und ihr Liebesleben als noch vor Jahren. Das Deldorado hat sich für euch schlaugemacht: in einem Swingerclub über den Sextrend des Swingens und in einem Erotikfachmarkt über die derzeit angesagtesten Toys.
 
Ein aktueller erotischer Trend ist der Besuch im Swingerclub. Zwar wird der Begriff gern für einen Scherz verwendet, à la: „Was macht ein Mathematiker im Swingerclub? Er rechnet mit zwei Unbekannten.“ Doch Umfragen zufolge nimmt die Zahl der Paare, die Swingerclubs besuchen, zu. Das bestätigen auch Patrick, genannt Paddy, und seine Frau Jessica alias Jessi. Die beiden betreiben den Swingerclub „Passion“ in Stuhr-Seckenhausen, den auch einige Delmenhorster besuchen, wie die beiden berichten.
 
Kein wilder Partnertausch
Um mal mit einem Klischee aufzuräumen: Im Swingerclub von Paddy und Jessi gibt es normalerweise keinen grenzenlosen Partnertausch oder Leute, die orgiastisch übereinander herfallen. Im Gegenteil, sagt Paddy – Swinger seien sehr treu! „Zu 99 Prozent sind beide Partner beim Sex zusammen und nehmen noch ein Männchen, Weibchen oder ein Pärchen mit dazu.“ Swingen, abgeleitet vom englischen Verb to swing – auf Deutsch: schwingen, sich frei bewegen – sei eher so zu verstehen, dass der Partner beim Akt statt eines Sexspielzeugs eben einen Menschen hinzuziehe. „Swinger haben sehr intakte Beziehungen“, betont Paddy, der Swingen wesentlich besser findet, als den Partner zu betrügen. Er glaubt: „Viele Menschen sind sexuell gefrustet und leben sich nicht richtig aus.“
 
Feste Regeln
Beim Swingen existieren feste Regeln. Kommt es beim Liebesspiel auf der großen Spielwiese plötzlich zu einer Annäherung, kann man das zulassen, muss es aber nicht. „Wenn eine Hand kommt und man möchte die nicht, schiebt man die weg. Die kommt dann kein zweites Mal“, erklärt Paddy. Da er viele Stammgäste habe, seien diese mit den Gepflogenheiten vertraut und hielten sich daran.
 
Whirlpool und Spielwiesen
Im Swingerclub „Passion“ gibt es über zwei Etagen Räume mit Spielwiesen verschiedener Größe, einen Whirlpool, im Sommer einen Außenpool, einen Raum mit Ampel, die man auf Rot schalten kann, wenn man ungestört sein möchte, ein kleines Gefängnis für Leute mit Spaß am Zusehen oder Beobachtetwerden sowie einen Raum, in den sich Paare dank Zahlenschloss ungestört zurückziehen können. Wer es ausgefallener mag: Auch eine Liebesschaukel und ein Andreaskreuz sind vorhanden. Das Thema Gesundheit werde großgeschrieben. „Wir appellieren immer an unsere Gäste, auf ihre Gesundheit zu achten. Deshalb liegen überall Kondome aus“, sagt Paddy.
 
Frauen mögen Swingen
Übrigens sind es laut Jessi nicht in erster Linie die Herren der Schöpfung, die den Swinger-Trend gesetzt haben. „Zu 60 Prozent geht die Initiative, einen Swingerclub zu besuchen, von der Frau aus“, hat sie beobachtet. Frauen fänden es toll, zu beobachten, wenn ihr Partner mit jemand anderem zugange sei. Doch anscheinend besuchen nicht nur Leute mit Lust auf Sex einen Swingerclub. „Zu uns kommen auch Leute ab 25, die sagen: In der normalen Disco ist es zu langweilig, da sind nur Teenager“, erklärt Paddy. Denn vorn im Swingerclub gibt es einen Barbereich, in dem der Abend locker startet, dazu gibt es auch Cocktails, eine Tanzfläche und ein Buffet – alles zum All-inclusive-Preis nutzbar. „Und die Frau kann auch leicht bekleidet sein, ohne gleich als Schlampe bezeichnet zu werden“, sagt Paddy. Im „Passion“ gilt: Es kann zum Sex kommen, muss aber nicht. „Wer bei uns Sex hat, dann deswegen, weil die Frau oder der Mann einen attraktiv findet und das auch wollte. Das ist etwas ganz anderes als der Besuch im Bordell.“
 
Womanizer, Fesseln, Vibro-Eggs
Ein weiterer Experte in puncto Delmenhorster Erotik ist der Novum-Erotikmarkt am Hasporter Damm. Das Angebot umfasst erotische Filme zum Ausleihen und Kaufen, Videokabinen und allerhand „Spielzeug“, umgangssprachlich Toys genannt, mit denen sich Pep in das Sexualleben bringen lässt. Hier wird nicht nur verkauft, hier gibt es auch Beratung: Welches Toy wirkt wie? Dildo oder lieber Vibrator? Im Jahr 2015 ist das Sprechen über Sexspielzeug so einfach wie über das neueste Modell von Lego oder Playmobil – jedenfalls in seriösen Geschäften dieser Art. Großen Einfluss haben auch die Erotikbestseller von E. L. James: „‚Fifty Shades of Grey‘ ist dabei, SM aus dem dunklen Bereich rauszuholen“, sagt Birgit Willemsen, langjährige Mitarbeiterin bei Novum. Seit dem Erfolgszug des Romans, der inzwischen auch verfilmt wurde (siehe Seite 44), gingen die Kunden offener und selbstbewusster mit dem Thema Fesseln, Peitschen und Co. um.
 
Liebling der Frauen
Als wahre Wunderwaffe für die Erlangung des weiblichen Orgasmus gilt derzeit der Womanizer.
„Er ist stylish, sieht gut aus und ermöglicht multiple Orgasmen“, sagt Birgit Willemsen. Die Spitze des Geräts, das äußerlich einem Vibrator ähnelt, saugt berührungslos die Klitoris an und stimuliert sie durch pulsierende Druckwellen. Ebenfalls im Trend sind sogenannte Vibro-Eggs, Liebeskugeln mit Stimulationsmöglichkeit per Fernsteuerung. „Es hat den Reiz des Geheimnisvollen, etwas in der Öffentlichkeit zu tragen, wovon nur der Partner weiß“, sagt Willemsen. Und per Fernbedienung kann er auch die Kontrolle übernehmen. Ein Toy, von dem Mann und Frau zugleich etwas haben, ist der We-Vibe-Vibrator. Bei der Frau eingeführt, stimuliert er das Glied des Mannes gleich mit. Auf Wunsch gibt es auch eine Version, die sich per Smartphone-App steuern lässt. Was seit einiger Zeit öfter von Männern gekauft wird, sind Dilatoren. Kleine Stäbchen, die zum Lustgewinn in die männliche Harnröhre eingeführt werden.
 
Wie es euch gefällt
Ob Liebeskugeln & Co. oder der Besuch im Swingerclub, in beiden Fällen zeigt die erfolgreiche Etablierung, dass der Trend zu einem unverkrampfteren, fantasievolleren Umgang mit der Lust geht. Nach der Devise: Erlaubt ist, was gefällt – solange das für beide Partner gilt und niemand zu Schaden kommt.