Klinikum Delmenhorst ist führend bei Neurostimulationsverfahren
1. Februar 2014

Erfolgreich im Kampf gegen Schmerzen

KLINIKUM FÜHREND BEI NEUROSTIMULATIONS-VERFAHREN
Das Klinikum Delmenhorst ist das Kompetenzzentrum im Nordwesten in puncto Neurostimulation bei Schmerzpatienten. Kürzlich berichtete ein Patient, dessen Eingriff eine Weltpremiere war, über das Leben vor und nach seiner Behandlung.
 
Sven Lössl wollte nicht mehr. Die chronischen Schmerzen, die durch eine Operationsnarbe in seiner Brust nach einer Lungen-OP im Jahr 2010 entstanden, waren so unerträglich, dass er, obwohl er Frau und Kinder hat, einen Selbstmordversuch mit Morphium unternahm. Lössl beschreibt den einst akuten Schmerz wie den Schnitt eines Skalpells in der Brust – bei vollem Bewusstsein. „Man fühlt sich wie ein angeschossener Löwe und ist leicht reizbar. Man zieht sich zurück.“
 

Chronische Schmerzen keine Seltenheit

Patienten, die unter chronischen Schmerzen leiden, sind keine Seltenheit, sagt Dr. Gunnar Jähnichen, Schmerztherapeut am Klinikum Delmenhorst. Er konnte Lössl kürzlich durch das sogenannte Neurostimulationsverfahren helfen. Bei Lössl wurde am Rückenmark eine Elektrode angelegt, deren Strom genau jene Nervenbahnen reizt, welche die Schmerzen in der Brust erzeugen. Vereinfacht ausgedrückt: Der Schmerz wird durch einen anderen Reiz überlagert. Das Ergebnis für Patient Lössl: Statt der einstigen Pein empfindet er nur noch ein dumpfes Kribbeln, ähnlich dem Gefühl einer eingeschlafenen Hand. Für ihn wurde das Leben dadurch wieder lebenswert.
 

Technik kabellos einstellbar

Mit einer kabellosen Fernbedienung kann er den stoppuhrgroßen Signalgeber in seinem Körper fernsteuern. Je nach Bedarf kann er so die Intensität herauf- und herunterregeln oder sogar ganz abschalten. Manchmal tut er dies, um einem Gewöhnungseffekt vorzubeugen und sich daran zu erinnern, dass der Schmerz tatsächlich noch da ist.
 

Weltpremiere in Delmenhorst

Neurostimulation zur Schmerzbekämpfung ist nicht neu, doch besonders in den vergangenen Jahren haben die Verfahren große Fortschritte gemacht. Das besondere am DRG-Verfahren, das bei Sven Lössl zum Einsatz kam, ist, dass die Elektrode sehr zielgenau in einer Seitentasche am Rückenmark direkt an der Nervenwurzel angelegt wird. Laut Jähnichen war der Einbau bei Lössl sogar eine Weltpremiere. Die Vorteile sind, dass es keine Nebenwirkungen geben soll. Allerdings kommt es nur zum Einsatz, wenn keine andere Medikation Erfolg hat. Und Dr. Jähnichen räumt ein: „Es wirkt nicht bei jedem.“
 

Infoabende zum Thema

Wichtig ist auch die Nachsorge. Nur wenn der Patient optimal mit der Technik klarkommt, ist die Behandlung langfristig effektiv. Sven Lössl hatte dafür die Pain Nurse und Medizintechnikerin Aline Lazaar an seiner Seite. Am 18. Februar um 18 Uhr gibt es im Klinikum einen Infoabend zu Neurostimulation bei chronischen Schmerzen in der Becken- und Leistenregion sowie am 18. März zu chronischen Schmerzen durch Gefäßerkrankungen in den Beinen und bei austherapierten Schmerzen. Anmeldung und Infos unter Telefon 04221-995511.
 


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