Bahnhof Heidkrug ist schon wieder schöner geworden
8. März 2013

Ein Dreieck an Möglichkeiten

UNGLAUBLICH VIELSEITIG: IPRUMP/STICKGRAS

Iprump/Stickgras ist ein munterer Stadtteil, der zwar am Rande von Delmenhorst liegt, aber dennoch sehr lebendig ist. Heidkrug dominiert den Bereich, ist aber noch längst nicht alles.

 

Woher der Nahme „Iprump“ kommt, weiß man heute nicht mehr genau. Die vielleicht niedlichste Erklärung: „Iprump“ komme von dem lauten Balzruf der Rohrdrommel, die dort früher ihr Revier hatte: „Ü-prumb“. Eine weitere – wenn auch ungleich langweiligere – Variante: Da „I“ damals ein Wort für Wasser war, könnte Iprump auch die Siedlung am Wasser sein. Die Grenzen des Stadtteils sind ganz klar auszumachen: Im Osten bildet die Bremer Straße die Grenze, im Süd-Osten die Syker Straße, die sich beide in Höhe des Inkoop-Verbrauchermarktes treffen. Zudem grenzt Iprump-Stickgras an Bremen-Huchting. Auf einer Landkarte wirkt der Stadtteil fast wie ein Dreieck. Über 5.000 Delmenhorster leben hier. Und nicht nur Wohnhäuser dominieren das Bild. Vor allem an der Syker und Bremer Straße gibt es jede Menge Gewerbe, Restaurants und vieles mehr. So ist zum Beispiel die Kerem Kulturkneipe in der Syker Straße beheimatet. Iprump/Stickgras ist daher ein recht munterer Bereich von Delmenhorst

 

Heidkrug dominant

Heidkrug wird zwar von vielen Delmenhorstern als eigenständiger Stadtteil gesehen, gehört aber ebenfalls mit zu Iprump/Stickgras. Vielleicht liegt es daran, dass Heidkrug neben dem Delmenhorster Hauptbahnhof die einzige Bahnhaltestelle besitzt. Diese Haltestelle entstand in den 1880er-Jahren auf der Strecke zwischen Oldenburg und Bremen und führte zu einem Boom in der Region: Im Umkreis des Bahnhofs bildeten sich Siedlungen von Handwerkern und Arbeitern, die zum Großteil in Bremen arbeiteten und jeden Tag pendelten – also im Großen und Ganzen nicht wirklich anders als heute, oder? Das Heidkruger Bahnhofsgebäude wurde 1910 gebaut. Heute findet man in dem schmucken Bau einen Friseur und Schönheitssalon. Übrigens ist Heidkrug reich an Bodenschätzen – auch wenn es sich nicht wirklich lohnt, dafür zu buddeln. 1930 vermutete man dort Erdöl und führte deshalb einige Bohrversuche durch: Man errichtete in Heidkrug zu diesem Zwecke sogar einen Bohrturm. Erdöl gab es jedoch nicht, dafür riesige Salzvorräte. Diese müssten aber auch heute noch unter der Erde zu finden sein, abgebaut wurden sie nämlich nicht. Denn in den 1930er-Jahren gab es schon viel zu viele Salzförderanlagen in Deutschland, sodass die Verantwortlichen sich dafür entschieden, nicht auch noch in Delmenhorst Salz zu fördern.

In Heidkrug zeigt sich auch die Vorliebe der Delmenhorster für gutes Essen und Trinken: Der Begriff „Heidkrug“ wurde von einem Gasthof in der Heide geprägt, der dort an einem alten Postweg lag. Dieser Gasthof, der 1729 das erste Mal urkundlich erwähnt wird, ist auch heutzutage nicht in Vergessenheit geraten: 1873 übernahm ein gewisser Heinrich Schierenbeck den Betrieb, der bis heute in der Hand der Familie Schierenbeck ist. Jeden Winter pilgern zahlreiche Kohltouren in den Gasthof, um dort ausgelassen zu feiern. Auch die erfolgreichen „Kartonage“-Partys finden regelmäßig dort statt, die nächste übrigens am 23. März.

 

Das Pultern-Problem

Aber in Iprump/Stickgras ist der Gasthof Schierenbeck nicht das einzige Wirtshaus mit Tradition – wenn auch vielleicht das einzige, das nach all den Jahren immer noch so erfolgreich ist und hervorsticht. Eine gegensätzliche Entwicklung machte zum Beispiel der Landgasthof Zur Pultern mit. Dieses Gebäude gibt es bereits seit 1645, damals baute man es jedoch eigentlich als Bauernhof, der sich in den nächsten Jahrhunderten zu einem beliebten Gasthof entwickelte. Bis ins Jahr 2004, denn damals legte der damalige Besitzer Heiko Freuer ein Feuer in seinem Gasthof, um eine nicht unerhebliche Versicherungssumme zu kassieren, wie er irgendwann zugab. Seitdem fristet der Landgasthof Ruine sein Dasein nur noch als – im nächsten Jahr bereits seit einer Dekade. Wie es da weitergehen soll: fraglich.  Heutzutage wird der abgebrannte Gasthof nur noch als Schandmal der Stadt gesehen, das unglücklicherweise jeden Reisenden aus Bremen am Stadteingang als Erstes begrüßt.

 

Schwieriges Gewerbegebiet

 

Bei so viel Vergangenheit gibt es aber auch Zukunftspläne. Zum Beispiel mit dem Gewerbegebiet GUT Delmenhorst, das bei den meisten Einwohnern wohl unter Gut Langewisch bekannt ist. Zwar hat die Stadt immer noch Probleme, Unternehmen in das Delmenhorster Gewerbegebiet zu locken, es scheint jedoch so, als würde das Projekt langsam ein wenig an Fahrt aufnehmen: Neue Verträge konnten im letzten Jahr abgeschlossen werden und auf dem Gelände wird kräftig gebaut. Vielleicht trägt also auch Iprump/Stickgras einen bedeutenden Teil dazu bei, dass es mit Delmenhorst bald bergauf geht.


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