Janin
1. Oktober 2013

Ehrenamt: Janin Kastens brennt für die Freiwillige Feuerwehr

Janin Kastens ist Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Stadtmitte. Von den rund 110 Mitgliedern dieser Ortswehr ist jedes zehnte Mitglied weiblich. Für die 22-Jährige Janin ist dies kein Problem. Im Gegenteil: Sie ist sehr gerne bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv.

Wenn ein Brand gelöscht werden muss oder andere Gefahren die Ortsfeuerwehr Stadt zum Einsatz rufen, ist Janin Kastens oft mit dabei. Die 22-Jährige ist bereits seit sechs Jahren bei der Feuerwehr. Und das sehr gerne. „Ich mag die körperlich anstrengende Arbeit und dass man bei einem Einsatz nicht weiß, was kommt.“ Janin nimmt ihre Tätigkeit sehr ernst und hat bereits einige Lehrgänge absolviert: den Grundlehrgang Truppmann I, die Erweiterung Truppmann II, sowie Lehrgänge als Truppführer, Sprechfunker und Atemschutzgeräteträger.
 

Nicht auf soziale Rollen reduziert

Denn Frauen werden bei der Feuerwehr nicht auf soziale Rollen reduziert, wie Ortsbrandmeister Axel Sanders, Chef der Freiwilligen Feuerwehr, sagt. „Da wir vorher nicht wissen, was uns bei einem Einsatz erwartet, brauchen wir Generalisten.“ Daher werden Frauen – die physische Eignung vorausgesetzt – ebenso zum Atemschutzgeräteträger ausgebildet wie ihre männlichen Kollegen. Und auch den Umgang mit der Blechschere oder dem Spreizwerkzeug lernen Feuerwehrfrauen wie Janin. Und die Tendenz ist steigend, die Zahl der Frauen bei der Wehr nimmt zu, sagt Sanders. „Das verwächst sich durch den soziokulturellen Wandel.” So wie Männer heute Elternzeit nähmen, kämen Frauen öfter zur Feuerwehr.
 

Kein WC-Problem

Geschlechterspezifische Probleme mit den räumlichen Gegebenheiten gibt es übrigens nicht. „Ich kenne in Niedersachsen kein Gerätehaus, wo es nicht getrennte Umkleiden und Sanitärräume gibt“, sagt Axel Sanders. Während Männer übrigens oft von sich aus zur Feuerwehr kämen, würden Frauen eher durch Freunde und Bekannte an die Wehr herangeführt. So war es auch bei Janin: „Durch den Freund einer Freundin, der bei der Jugendfeuerwehr war, bin ich zur Feuerwehr gekommen“, sagt sie. Am liebsten ist Janin beim Einsatz dort, wo es am spannendsten ist, also gern in vorderster Reihe. An diesem Dienstagabend, an dem wir sie bei einer Übung besuchen, hat sie allerdings einen besonders ruhigen Job. Vom Einsatz an vorderster Löschfront bekommt Janin heute nicht viel mit.
 

„Alles muss dokumentiert werden”

Bei dieser Übung, die eine Explosion mit drei verletzten Personen in einer Lagerhalle simuliert, sitzt sie im Einsatzleitwagen. Das Team im Einsatzleitwagen (ELW) ist die Schnittstelle zwischen der Einsatzstelle und der Großleitstelle. Es unterstützt den Einsatzleiter. Wird etwa ein Rettungswagen benötigt, gibt die Einsatzleitstelle per Funk die Info an die Großleitstelle weiter. Der Einsatzleitwagen steht stets etwas abseits vom Rettungstrubel. In diesem Fall parkt der Wagen vor einem Firmengelände in Annenheide, auf dem die Feuerwehrkollegen im Einsatz sind. „Alles muss dokumentiert werden“, sagt Janin. So notiert sie auf einem DIN-A4-Bogen alle einsatzrelevanten Details und bedient mit ihrem Kameraden Andreas Sztkokoski, der ihr gegenübersitzt, den Funk. Er bedient den sogenannten 2-Meter-Funk, den Handfunk für den Einsatz am Einsatzort, Janin ist mit dem 4-Meter-Funk für die Kommunikation mit der Großleitstelle zuständig. Doch während dieser Übung kommt es zu keinerlei Schwierigkeiten, sodass Janin kaum ins Schwitzen kommt. Natürlich entstehen auch mal Unstimmigkeiten mit männlichen Kollegen. „Mit Männern ist es manchmal anstrengend.“ Aber Janin lässt sich nicht beirren. „Ich mache den Mund auf. Weil ich etwas kann, nicht nur labere.“
 

Weiteres Engagement

Janin ist gerne ehrenamtlich tätig. Neben ihrer Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr ist sie auch bei den Johannitern aktiv, sagt sie. Doch dieses Engagement ruht momentan. Und auch bei den radikalen Seetierschützern von Sea Shephard bringt sie sich ein. Doch da sie die Feuerwehr so mag, hat sie sich bei der Berufsfeuerwehr für eine Stufen-Ausbildung beworben. Während einer technischen Ausbildung, etwa bei Klingele oder der SWD-Gruppe, arbeitet man hier parallel als Feuerwehrbeamter. Sollte es klappen, könnte Janin tatsächlich ihr Hobby zum Beruf machen.
 


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