Schiedsrichter
1. September 2013

Ehrenamt (1): Der Schiedsrichter

DER CHEF AUF DEM PLATZ
Unsere Gesellschaft würde deutlich schlechter funktionieren ohne die zahlreichen freiwilligen Helfer, die ihre Freizeit opfern, um etwas für die Gemeinschaft zu tun. Deldorado stellt in loser Folge interessante Ehrenamt-Jobs vor. Heute in Teil 1: der Schiedsrichter.

„Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht …“ Schiedsrichter sind bei emotionalen Fußballspielen oft der unbeliebteste Mann auf dem Platz. Denn als Spielleiter ist er der Chef, alles hört auf seine Pfeife. Bereits seit zehn Jahren übt Felix Heuer vom TuS Heidkrug dieses Ehrenamt aus. Der 25-jährige kam eher zufällig dazu. „Mein ehemaliger B-Jugendtrainer hat damals die gesamte Mannschaft zum Lehrgang angemeldet.“ Und Felix war der einzige, der über die Jahre dem Schiedsrichter-Amt und seiner Faszination treu blieb. „Es ist die Herausforderung, vor dem Spiel nicht zu wissen, was auf einen zukommt. Man muss mit 22 Charakteren klarkommen und lernt, Entscheidungen zu treffen.“
 

Vor dem Spiel den Platz kontrollieren

Heute steht die Bezirksliga-Partie Grün-Weiß Mühlen gegen SV Altenoythe auf dem Plan. Bereits eine Stunde vor dem Anpfiff trifft Felix zusammen mit seinen beiden Assistenten Florian Düser und Nils Klassen am Sportplatz in Mühlen (bei Vechta) ein. Dank des Zeitpolsters bleibt noch genug Zeit, um den Platz zu kontrollieren und sich umzuziehen. Kaum eingetroffen, kommt Felix auch schon Thomas Lampe entgegen, der Betreuer der Gästemannschaft. Er möchte den Tausch zweier Spielernummern anmelden. Kein Problem. Wenig später geht es rauf auf den Platz. Felix überprüft, ob die Kreide-Markierungen in Ordnung und die Tornetze nicht beschädigt sind. Doch hier ist alles gut gepflegt. „In rund 90 Prozent der Fälle ist auf Bezirksebene alles in Ordnung“, sagt er. Noch ein paar freundliche Worte mit den beiden Trainern gewechselt, dann geht es zum Umziehen.
 

Aus dem 3:0 wird ein 4:4

Anpfiff: Die Partie bietet einiges an Spannung. Was in der ersten Halbzeit noch wie ein klarer Sieg mit einem 0:3 für die Gäste aussieht, wandelt sich in der zweiten Hälfte zu einem 4:4-Endstand. In den zweiten 45 Minuten kämpfen beide Mannschaften verbissener. Der Ton wird rauer, doch alles bleibt im Rahmen. Trotzdem lautet die Bilanz nach dem Spiel: Sechs gelbe Karten wegen Fouls und anderer Unsportlichkeiten. Unter anderem sah der Keeper aus Altenoythe Gelb. Er meinte, den Schiedsrichterassistenten davon überzeugen zu müssen, dass er von den Spielerbänken aus beleidigt worden sei.
 

Wird’s brenzlig? Kleinlicher pfeifen

Aber was passiert, wenn tatsächlich mal eine Situation zu eskalieren droht? „Dann muss man versuchen, das Spiel kleinlicher zu leiten. Wenn das nicht hilft: Strafen verteilen, um den Spielern klare Grenzen aufzuzeigen.“ Schlimme Erlebnisse hatte Felix Heuer allerdings noch nicht, sagt er. „Schiri, du Arschloch“ oder „Oh Mann, Schiri“, sei das Schlimmste, was er bis jetzt zu hören bekommen habe. In Zeiten, in denen Schiedsrichter nach dem Spiel mitunter Polizeischutz brauchen, um die Kabine zu verlassen, ist dies eine gute Bilanz. Wahrscheinlich liegt es aber auch an Felix selbst, dass ihm noch nie etwas Bedrohliches passiert ist. Denn er hat das Spiel im Griff.
 

Erkennbare Qualitäten

Das findet auch Ingo Soremba, Trainer von Grün-Weiß Mühlen, nach der Partie: „Es hat keine gravierenden Fehlentscheidungen gegeben, der Schiedsrichter hat das Spiel im Griff gehabt, ich bin sehr zufrieden. Auch die Linienrichter waren gut.“ Der Trainer sagt, die Qualität eines Schiris könne man mitunter bereits schon vor dem Spiel erkennen. „Es ist die Art der Kommunikation, etwa wenn jemand sicher auftritt und einem die Hand gibt.“
 

Nach dem Spiel eine Currywurst

Auch Felix zeigt sich nach der Partie zufrieden. „Es war ein schönes Spiel auf gutem Bezirksliga-Niveau, es hat Spaß gemacht.“ Nun ist der Job aber noch nicht erledigt. Felix bespricht kurz mit seinen beiden Assistenten das Spiel, anschließend loggt er sich in das Onlinesystem des DFB ein und tippt den Spielbericht. Dafür muss jede gastgebende Mannschaft einen Computer mit Internetanschluss zur Verfügung stellen. Nachdem er auf Absenden geklickt hat, kann er die Daten nicht mehr ändern. Für eine Korrektur müsste er den Staffelleiter anrufen. Nun noch schnell eine Currywurst im Vereinsheim gegessen und eine paar Worte mit dem Betreuer der Heimmannschaft gewechselt, dann geht es ab nach Hause.
 


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