Bahnhof
1. April 2013

„Die Polizei will nicht die Spaßbremse der Stadt sein!“

KRIMINALSTATISTIK 2012: BAHNHOF BLEIBT BRENNPUNKT

Ende Februar wurde die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2012 vorgestellt. Das Ergebnis: Der Bahnhof bleibt Brennpunkt, auch Wohnungseinbrüche sind in der Stadt immer noch ein Problem.

 

Schaut man sich die Polizeistatistik der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburger Land an, scheinen unsere Beamten in Blau gute Arbeit zu leisten: Die Aufklärungsquote lag im Jahr 2012 bei 62,1 Prozent, im Delmenhorster Stadtgebiet sogar bei 64,3. „Das ist der höchste Wert, den wir jemals hatten“, freute sich der Inspektionsleiter Jörn Stilke auf der Pressekonferenz zu der Kriminalstatistik 2012. Dennoch: Auch die Zahl der Straftaten nahm im Vergleich zu 2011 zu. In Delmenhorst gab es – korrigiert um ein Großverfahren – 268 Taten mehr als im Jahr 2011. Dies ist vor allem den im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Betrugs- und Diebstahlsfällen geschuldet. Sogenannte Rohheitsdelikte wie Körperverletzung, Bedrohung oder Nötigung hingegen gingen zurück. „Vor allem im Straßenverkehr konnten wir glücklicherweise einen Rückgang an Nötigungen feststellen“, erzählte Dirk Uhmeier, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes in Delmenhorst. Und wenn in diesem Bereich etwas passiert, ist es auch sehr wahrscheinlich, dass die Tat aufgeklärt wird, bei den Körperverletzungen zum Beispiel lag die Aufklärungsquote im letzten Jahr bei stolzen 90,3 Prozent.

 

Problembereich rund um den Bahnhof

Das Sorgenkind der Stadt bei den Rohheitsdelikten ist, wie auch im letzten Jahr, der Bahnhofsbereich. Dennoch glaubt Jörn Stilke an ein gutes Konzept, das die Polizei dort anwendet: „Ich möchte keinen einzigen Baustein missen, weder die Streetworker, noch die Kameraüberwachung.“ Gerade Letzteres sei extrem wichtig für die Sicherheit im Bahnhofsgebiet „Die Beamten an den Monitoren merken schnell, wenn eine Situation kribbelig wird. Häufig ist die Polizei schon da, bevor es wirklich zu einer Auseinandersetzung kommt.“ Insgesamt gab es in diesem Bereich 372 Straftaten. Zum Vergleich: 2011 lag der Wert bei 318, das sind 54 Straftaten mehr als im Vorjahr. Vor allem Fahrraddiebstähle kommen am Bahnhof oft vor, auch die Anzahl an Ladendiebstählen hat zugenommen. „Die Rohheitsdelikte sind im Wesentlichen gleich geblieben“, so Uhmeier. Und Stilke ergänzte: „Es ist dort wie überall, wo alkoholisierte Menschen zusammenkommen. Auch wenn zum Beispiel die ganzen Kohlfahrten losgehen, gibt es mehr Hauereien.“ Deshalb sei es utopisch, dass sich in diesem Bereich die Straftaten auf null reduzieren lassen könnten. Vor allem weil mehr Polizeipräsenz nicht automatisch Vorteile und Gewaltfreiheit mit sich bringen würde: „Wir wollen es nicht übertreiben“, erklärte der Inspektionsleiter. „Eine hohe Polizeipräsenz kann auch einen Angstraum schaffen, in dem es keine Freude mehr macht zu feiern. Die Polizei will nicht die Spaßbremse der Stadt sein!“

 

Einbrüche machen der Region zu schaffen

Ein weiteres Problem macht ganz Deutschland, aber auch der Stadt Delmenhorst und sowie dem Landkreis Oldenburg zu schaffen: die zahlreichen Wohnungseinbrüche. Diese sind besonders „beliebt“, da es für geübte Täter recht einfach sein kann, in Häuser einzudringen, um Schmuck sowie Bargeld zu erbeuten.  Dennoch ist hier die Anzahl an Taten lediglich um 1,89 Prozent gestiegen. Die Aufklärungsquote ist im Gegensatz dazu exorbitant hoch: Ganze 50,2 Prozent der Einbruchsdiebstahle wurden aufgeklärt, damit stieg die Aufklärungsquote um über 20 Prozent. Dafür hatte die Polizei jedoch eine recht nüchterne Erklärung: „Die hohe Aufklärungsquote liegt vor allem daran, dass wir im letzten Jahr mehrere Serientäter ermittelt und überführt haben“, berichtete Dirk Uhmeier. Dass es zudem nur zu einen sehr geringen Anstieg der Einbruchsanzahl kam, führt die Delmenhorster Polizei auch auf ihr Konzept zurück, in der dunklen Jahreszeit in Gegenden, die besonders vom Einbruch betroffen sind, herumzufahren und aus Tätersicht die Schwachstellen der Häuser zu analysieren. Das Wissen geben sie dann auch an die Bewohner weiter, damit diese das nächste Mal, wenn sie das Haus verlassen, beispielsweise das gekippte Fenster nicht unbedingt offen lassen.

Zudem sei das Problem, dass die Täter oftmals nicht aus der Gegend kommen und schnell über die Autobahnen sowie die Landstraßen unbeobachtet verschwinden könnten. Deshalb würden auch die kleinsten Beobachtungen aus der Bevölkerung helfen, um Einbrecher zu erwischen, wie Uhmeier erklärte: „Wir bauen auf die funktionierende Nachbarschaft. Wenn in einer Gegend öfter mal ein Auto steht, das dort nicht hingehört, kann man sich damit an die Polizei wenden. Das Hinweisaufkommen aus der Bevölkerung ist immer noch viel zu gering.“

 

Trotz aller Unkenrufe: Delmenhorst ist sicher

Alles in allem ist Delmenhorst laut der hiesigen Polizei eine sehr sichere Stadt, die Häufigkeitsziffer – diese verdeutlicht, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner Opfer von Kriminellen werden – beträgt für Delmenhorst 10.054, in Bremen liegt diese Zahl bei etwa 13.500, im Landkreis Oldenburg nur bei 5.387. Zudem ist im letzten Jahr die Anzahl der Tatverdächtigen im Kinder- und Jugendalter extrem gesunken. „Das ist ein rückläufiger Trend“, stellte Jörn Stilke fest. „Es könnte allerdings auch am demografischen Wandel liegen.“ Die Polizei zumindest scheint mit den Ergebnissen der Kriminalstatistik zufrieden zu sein. Und wendet sich nun wieder dem Jahr 2013 zu.

 


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