Martin Gohlke2 (2)
1. April 2013

Delmenhorst im Fadenkreuz lyrischer Verwicklungen

Ursprünglicher Delmenhorster schreibt Roman

 

In seinem ersten Roman „Weitlings Traum“ mischt der ehemalige Mitbewohner des bekannten Autors Sven Regener, Martin Gohlke, eine große Portion Fantasie mit Delmenhorster Stadtgeschichte. Ein spannendes Komplott rund um politische Verwicklungen und menschliche Abgründe.

 

Der Historiker und Politikwissenschaftler Martin Gohlke befasste sich bereits 1992 in einer Arbeit über die Räte in der Revolution von 1918 bis 1919 mit seiner ehemaligen Heimatstadt Delmenhorst. Auch in seinem ersten Roman „Weitlings Traum“, der Anfang dieses Jahres erschien, spielt Politik eine Rolle. In dem Buch geht um den fiktiven Stadtteil Better Place: Nach der Schließung der Nordwolle dürfen die Obdachlosen, die das Fabrikgelände als Unterschlupf genutzt hatten, weiterhin dort wohnen. Der Protagonist Stefan Weitling ist ein Freigeist mittleren Alters ohne Arbeit, aber mit sehr guten Kontakten zu Better Place. Als Sicherheitsbehörden beginnen, sich für den ungewöhnlichen Stadtteil zu interessieren, bringen ihn diese Beziehungen in eine prekäre Lage: Er wird zum Spion, der den eigenen Freund und öffentlichen Sprecher des Stadtteils bespitzelt.

 

Idee entstand in Delmenhorst

Auf die Frage, wie er auf die Idee zu dem Buch kam, antwortet der Autor, der heute in Norden lebt: „Ein zufälliger Spaziergang auf dem Areal der ehemaligen Nordwolle bildete den Anfang. Ich nahm mir für ein paar Tage ein Zimmer in Delmenhorst, wanderte halbe Nächte durch die Straßen und verweilte in allen möglichen Kneipen.“ Obwohl sich der Plot um Better Place rankt, ist der Autor mit Ausführungen sparsam: „Es ist nicht so, dass man über das Leben im Stadtteil Better Place nichts erfährt. Aber in erster Linie als Abhandlung – so wollte ich die Interpretationslust meiner Leser herausfordern.“ Eine große Interpretationsfläche bietet auch Stefan Weitling. Ob Martin Gohlke seine Hauptfigur für einen Täter oder ein Opfer hält? Keins von beidem: „Ich habe mittlerweile viele Charakterisierungen von Stefan Weitling vernommen. Ich sehe Stefan als Abenteurer. Er bewahrt sich bei allen Selbstzweifeln ein positives Verhältnis zu seiner Zerrissenheit und liebt seine Schrägheit. Er ist getrieben von einem feinen Hass auf die Verhältnisse.“ Auch wenn Protagonist und Autor einen gemeinsamen Wohnort teilten, handelt es sich nicht um einen autobiografischen Roman.

 

Authentizität im Vordergrund

Genauso wenig, wie es dem Autor darum ging, eigene Erlebnisse lyrisch zu verarbeiten, ist es sein Ziel, seinen Lesern etwas mit auf den Weg zu geben: „Mein missionarischer Ehrgeiz hält sich in Grenzen. Ich wollte eine Geschichte schreiben, die ich mag. Authentisch nennt man das wohl.“ Mit unverblümter Authentizität reagiert er auch auf die Frage, wie das gemeinsame WG-Leben mit dem bekannten Autor Sven Regener war: „Das ist in seinem Buch ‚Neue Vahr Süd‘ ausführlich beschrieben. Bisher hatte ich noch nicht das Gefühl, unbedingt eine Gegendarstellung schreiben zu müssen. Aber Gefühle können sich ja bekanntlich ändern.“ Ob nun ein eigenes Buch über die WG-Zeit oder aber ein neuer Roman: Wir sind gespannt.


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