Sehleitstreifen an einer Delmenhorster Bushaltestelle
19. November 2012

Blinde „sehen“ mehr

WIE SICH SEHBEHINDERTE IN DELMENHORST ZURECHTFINDEN

Auch wenn sie sonst wenig oder gar nichts sehen können, erkennen Blinde und Sehbehinderte in unserer Stadt mehr, als man denkt. Neben etlichen Einrichtungen für Blinde und Sehbehinderte gibt es sogar eine Zeitung zum Hören.

 

An vielen Bushaltestellen in unserer Stadt gibt es am Boden in Höhe der Fahrertür eine auffällige weiße Pflasterung, die sich in ihrer Struktur von der restlichen unterscheidet. Seit mehreren Jahren  schon werden Haltestellen mit diesem sogenannten Sehleitstreifen für blinde Menschen ausgestattet, die zum Einstiegsbereich der Busse führen. Die Sehleitstreifen bestehen aus optisch und taktil kontrastierenden Bodenindikatoren wie beispielsweise weiße Rillen- und Noppenplatten beziehungsweise -pflaster. Diese kann der Blinde mit seinem Fuß ertasten sowie mit seinem Blindenstock auch hören, da sie beim Berühren ein anderes Geräusch machen als ihre Umgebung. Auf diese Weise leitet der Sehleitstreifen ihm den Weg zum Einstieg in den Bus. Mittlerweile sind von 364 Bushaltestellen in unserer Stadt 96 damit ausgestattet. Auch am ZOB sollen sie demnächst installiert werden, um das Einsteigen in die Busse zu erleichtern. Zudem wurden im Jahr 2000 vier Informationssäulen mit akustischer Ansage installiert. Per Knopfdruck werden auf Wunsch Fahrplandaten angesagt.

Sicher über die Straße kommt man als Sehbehinderter in Delmenhorst an fünfzehn Stellen, denn dort gibt die sogenannte Blindenampel. Schon von Weiten vernimmt man ein leises Klicken, das einem den Weg zur Ampel weist. An der Ampel selbst befindet sich unterhalb des gelben Kastens ein zusätzlicher Knopf. Einmal gedrückt, sorgt er dafür, dass sich das Klickern bei Grün in ein anderes, lauteres Signal verwandelt und dem Blinden so vermittelt, dass er die Straße nun sicher überqueren kann.

 

„Lesen“ mit den Ohren

Auch bei der Lektüre der Zeitung kommen Blinde und Sehbehinderte in Delmenhorst nicht zu kurz. Seit mehr als zwölf Jahren wird zweimal wöchentlich im Tonstudio des Familienzentrums Villa die „Delmenhorster Hörzeitung“ aufgenommen. Pro Jahr entstehen mindestens 104 Tonträger mit 174 Stunden mit Wissenswertem und aktuellen Informationen aus Delmenhorst und umzu. Die Hörzeitung entsteht komplett ehrenamtlich. Außerdem haben die beiden Initiatoren Antje und Jürgen Wenzel einen Blindenstammtisch ins Leben gerufen, der sich jeden vierten Mittwoch im Monat um 18 Uhr im Restaurant Zum Tell trifft. Hier werden Erfahrungen ausgetauscht und Hilfe zur Selbsthilfe geboten. „Es geht aber auch immer sehr lustig zu“, erzählt uns Anja Wenzel, die selbst blind ist. Die Einrichtungen für Blinde in Delmenhorst findet sie in Ordnung, jedoch hat sie mittlerweile auch mit Hörproblemen zu kämpfen. „Manchmal ist der Verkehrslärm so laut, dass ich das Signal der Blindenampel kaum noch höre. Am meisten habe ich aber vor Elektroautos Angst, da ich sie von Weiten nicht hören kann.“

 


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