Peukert
19. November 2012

Begrenzte Einsparpotenziale

INTERVIEW MIT HENRY PEUKERT, INTERIMSGESCHÄFTSFÜHRER DER GRAFTTHERME

Zurzeit befindet sich die GraftTherme in unruhigem Fahrwasser: Der zurückgetretene Geschäftsführer hinterlässt ein deutlich zu hohes Defizit und sein Interimsnachfolger erhält Gegenwind aus der Politik. Das Deldorado sprach mit Interimsgeschäftsführer Henry Peukert über die aktuelle Situation des Freizeitbades.

 

Herr Peukert, liest man Zitate von Ihnen in der Zeitung, folgen davor oder danach meist Äußerungen von Detlef Roß. Man könnte meinen, dass der Aufsichtsratsvorsitzende und nicht der Interimsgeschäftsführer im Bad das Sagen hat.

Das ist mit Sicherheit nicht so. Gerade unter dem Aspekt, dass ich der Botschafter schlechter Nachrichten war, bin ich auf die Politik angewiesen. Immerhin musste ich den Bürgern und der Politik mitteilen, dass das Ergebnis von 1,5 Millionen Euro jährlichem Zuschuss deutlich überschritten wird, wir haben allein schon 2,1 Millionen Euro Kapitaldienst, Zinsen und Abschreibungen, wie kann man da mit 1,5 Millionen hinkommen? Diese schlechten Botschaften zu verkünden und die Maßnahmen umzusetzen, die zum Umsteuern notwendig sind, dafür brauche die Politik.

 

Von einem neuen Geschäftsführer werden Ideen und Visionen erwartet. Wieso hat man da von Ihnen in der Vergangenheit nicht allzu viel gehört?

(Lacht) Ich halte mich im Moment zurück, aber natürlich habe ich Visionen. Ich denke aber, wir sollten erst einmal das nutzen, was die GraftTherme zu bieten hat. Erst einmal muss ich versuchen, die Erlöse zu steigern, es muss ein besseres Marketing erfolgen. Und wir müssen den Aufwand verringern: Wo können wir Energiekosten senken, wo Fremddienstleistungen einsparen, wo vielleicht Personalkosten reduzieren? Alles unter der Voraussetzung, dass der Gast keine Nachteile davon hat.

 

Stichwort Energie: Vor dem Bau des Bades hieß es, dass die Technik viel moderner als die des Delfinas sei und sich daher die Kosten reduzieren würden.

Das Bad ist energieoptimiert gebaut worden, die Energiekosten sind im Wirtschaftsplan allerdings zu optimistisch angesetzt. Der Architekt hat 870.000 Euro Energiekosten eingeschätzt, im Wirtschaftsplan stehen aber leider nur 500.000 Euro, tatsächlich brauchen wir jetzt 750.000 Euro. Das Problem liegt darin, dass man die Zahlen im Wirtschaftsplan …

 

… geschönt hat?

Das will ich nicht sagen. Dass man sie nicht angepasst hat.

 

Aber muss man nicht von „schönen“ sprechen, wenn die Planzahlen deutlich unter der Einschätzung des Architekten liegen?

Dazu kann ich Ihnen nichts sagen. Ich bin erst seit Juli als Interimsgeschäftsführer zuständig für die finanziellen Dinge. Vorher lag das nicht in meiner Hand.

 

Das vom Aufsichtsrat in Auftrag gegebene sogenannte Altenburg-Gutachten über den Zustand des Bades haben Ratspolitiker als einseitig und unnötig kritisiert. Wie sehen Sie das?

Das sehe ich überhaupt nicht so. Die BAD GmbH ist seit Jahren Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft für Bäder, in der sind über 80 Kommunen Mitglied, mit über 400 Badbetrieben. Die Firma Altenburg betreut diese Betriebe und sammelt seit Jahren Daten und Kennzahlen. Kein anderer verfügt über diesen Sachverstand. Wir haben Altenburg beauftragt, um aus Expertensicht die Stärken und Schwächen zu bewerten. Ein Beispiel: Bei den Energiekosten liegen wir bei 1,97 Euro pro Badegast. In ganz Deutschland liegen die besten Bäder bei 1,90 Euro und die schlechtesten bei 2,50 Euro. Der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Badegast liegt bei den meisten Bäder bei 150 bis 180 Liter pro Badegast, wir liegen bei 90 Litern. Durch die Altenburg-Kennzahlen weiß ich, wo es noch Einsparpotenzial gibt.

 

Sie haben gerade Zahlen genannt, zum Beispiel 1,97 Euro Energiekosten im Vergleich zum Bestwert 1,90 Euro oder auch der vergleichsweise niedrige Wasserverbrauch. Das wirkt jedoch so, als sei die GraftTherme energietechnisch bereits sehr gut aufgestellt und als sei man nur aus Aktionismus noch auf der Suche nach Potenzialen, um die von Anfang an im Wirtschaftsplan drastisch zu niedrig ausgewiesenen Kosten zu relativieren.

Sie haben völlig recht! Und deswegen war mir dieser Expertenrat so wichtig. Wenn Bürger oder Politik fordern: Die GraftTherme muss Energiekosten sparen, ist das positiv. Aber wenn es strukturell kaum noch möglich ist, gibt es Grenzen. Das ist die bittere Wahrheit, die ich kommunizieren musste. Das Bad wird nie für 1,5 Millionen Euro jährlichen Zuschuss zu betreiben sein.

 

Wenn das Einsparpotenzial eher gering ist, weil in vielen Bereichen bereits sehr gute Werte erzielt werden, ist das Kernproblem also, dass man zum Betrieb des Bades statt der 1,5 Millionen eigentlich 2,5 Millionen Euro hätte einplanen müssen?

Auch das ist richtig. Wir werden in Zukunft wahrscheinlich bei 2,6 Millionen Euro in den nächsten Jahren liegen, wenn es gut läuft bei 2,5 Millionen Euro.

 

Wie hoch schätzen Sie das Defizit für dieses Jahr ein?

Etwa 3 Millionen Euro.

 

Was machen Sie, wenn sich die Politik gegen Sie als Geschäftsführer entscheidet?

Dann bin ich traurig, natürlich. Ich habe hier einen Vertrag als Betriebsleiter, habe die Tätigkeit des Interimsgeschäftsführers übertragen bekommen und falls jemand anders Geschäftsführer wird, werde ich meinen Platz als Betriebsleiter im Hause wieder einnehmen.

 

Aber ist die Stellenausschreibung nicht so formuliert, dass Geschäftsführer und Betriebsleiter in einer Person zusammengefasst sind?

Das habe ich auch so gelesen. Ich weiß nicht, ob man sich darüber Gedanken gemacht hat, wie die Konstellation aussehen soll. Schon aus Sicht der Personalkosten ist es nicht sinnvoll, ein einziges Bad mit einen hauptamtlichen Geschäftsführer und einem Betriebsleiter zu betreiben. Was dann mit mir passiert, ist eine offene Frage, die die Politik beantworten muss.


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