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1. Juli 2013

Alles kann, nichts muss

GEMEINSCHAFTLICHES WOHNEN IM SELVE-HAUS

Die ersten Mieter wohnen bereits im Selve-Haus in der Langen Straße und leben dort eine ganz besondere Wohnform. Das Deldorado hat die Initiatorinnen des Wohnprojekts, Marlis Düßmann und Johanna Maskos, in den neuen Räumlichkeiten getroffen.

 

Seit dem 20. April wohnt Marlis Düßmann nun schon in ihrer neuen Wohnung im Selve-Haus. „Ich fühle mich hier schon sehr wohl, auch wenn ich meine Dachterrasse immer noch mit einigen Bauarbeitern teilen muss“, erzählt Düßmann, die auch Fraktionsvorsitzende der Delmenhorster Grünen ist. Mit dem Einzug in das Haus, in dem ein gemeinschaftliches Wohnen praktiziert wird, hat Düßmann sich einen lang gehegten Traum erfüllt: „Angefangen hat alles im Jahr 2008, als das Hotel abgerissen wurde. Damals hat der Rat beschlossen, dass als Ausgleich irgendwo in der Stadt das Konzept des gemeinschaftlichen Wohnens umgesetzt werden sollte.“ Daraufhin gründete sie zusammen mit Johanna Maskos eine Gruppe zum Thema gemeinschaftliches Wohnen, die schnell von vielen Interessenten besucht wurde.

 

Individuelle Wohnungen

 

Die Frage nach dem Grundstück war gelöst, als die Stadt das leer stehende Gebäude in der Innenstadt, das ehemalige Selve-Kaufhaus, vorschlug. Auch ein Investor war recht schnell gefunden. „Jede Wohnung konnte zusammen mit unserer Architektin individuell entworfen werden“, weiß Johanna Maskos, die das Projekt zwar mitinitiierte, aber sich dann mit ihrem Mann doch für ihr gemeinsames Haus entschieden hat. Neben den insgesamt 20 Wohnungen gibt es auch einen Gemeinschaftsraum, einen Sportraum, einen Hobbyraum und sogar ein Gästeappartement. Das Besondere am gemeinschaftlichen Wohnen: Die Mieter wollen mehr miteinander leben und gemeinsam viel unternehmen. „Es ist eine verlässliche Nachbarschaft, die bereit ist, den Einzelnen zu unterstützen“, erklärt Düßmann. „Man kann zusammen ins Kino gehen oder mal eine Fahrradtour machen.“ Auch gemeinsame Frühstücke gibt es. Natürlich funktioniere das alles auf freiwilliger Basis.

 

Die Findungsphase

 

Um die Dinge zu besprechen, soll regelmäßig ein gemeinsames Plenum einberufen werden. „Die meisten, die hier einziehen, haben sich aber schon in der Arbeitsgruppe kennengelernt und verstehen sich gut“, so Marlis Düßmann. Momentan sind die neuen Mieter zwischen 40 und 88 Jahren alt, aber auch junge Familien sind hier erwünscht. „Gerade die Älteren sind geistig ganz fit  und stellen sich gut auf die neue Situation ein“, weiß Johanna Maskos zu berichten. „Die sagen, dass sie nie wieder anders wohnen wollen.“ Und Düßmann fügt hinzu: „ Diese Wohnform ist ideal, um der Einsamkeit zu entkommen. Man hat zwar seine eigene Wohnung, aber wenn man Hilfe braucht, ist immer jemand da.“ Dennoch gibt es bei dieser Art des gemeinschaftlichen Zusammenlebens – eigentlich WG-typische –  Fragen, die es zu klären gilt. Zum Beispiel, wie man den Gemeinschaftsraum nutzt. „Wir sind da gerade in unserer Findungsphase und überlegen, wie man die Nutzung gerecht verteilt. Zumindest haben wir schon beschlossen, dass man dort seine Geburtstage feiern kann“, sagt Düßmann. Um das anschließende Putzen sollte es jedoch keinen Streit geben, denn dafür ist eine Putzfrau zuständig.


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